Editorial des Veranstalters

 
 

« I hear the Train a coming… »  (Folsom Prison Blues)

 

Liebe Modellbahnfreunde und Besucher

 

Seit längerer Zeit laufen die Vorbereitungen für die erste US-Modellbahn-Ausstellung im Mittelland. Anfangs ein Gedanke, später ein grösseres Pflichtenheft mit vielen Abklärungen und Pendenzen. Die Zeit vergeht im Fluge, man hat immer zu wenig davon und gegen Ende kann es den Organisatoren ein wenig Bange werden. Zumal wir eine solche Ausstellung zum ersten mal organsieren. Ich und das Helfer-Team hoffen aber, dass sie Spass daran haben. Um das geht es doch schlussendlich: „Modelrailroading is Fun!“

 

Mein Name ist Roland Chopard, Jahrgang 1960, geboren in Basel, seit 1988 im Kanton Solothurn wohnhaft. Ursprüngliche Ausbildung in der chemischen Industrie/Basel als „Giftmischer“, danach habe ich den Kaufmann im Erwachsenen-Modus nachgeholt und einige Jahre als Schreibtischtäter gearbeitet. Als die Kinder selbständig wurden bzw.die Zeit des „normalen“ Familienleben vorbei war, erfüllte ich mir einen Traum und lebe seit vielen Jahren von der Musik.

 

Eine zweite Sache liss mich nebst der Musik nicht los: Die Modellbahn! Wie bei vielen „Art-Genossen“, wird man als kleiner Junge durch einen Märklin Schienenkreis auf dem eine Gotthardlok (anfangs eine kleine Dampflok) unermüdlich ihre Runden dreht, infiziert. Der Startschuss für ein Modellbahnleben. In der Teenager-Zeit rückt dieses Interesse kurz in den Hintergrund. Wichtigere Dinge wie Romanzen und Schmetterlinge im Bauch geniessen die erste Priorität.

 

Doch die Modellbahn ist treu und hartnäckig. Sie hat sich im Innern festgebohrt und spätestens nach den ersten paar Ehejahren misst man ein Zimmer aus und erklärt der besten Ehefrau von allen (Ephraim Kishon) wie in etwa die fertige Anlage aussehen könnte. Verhandlungsgeschick und Kompromissbereitschaft sind angesagt. Die Glücklichen beginnen mit der Planung und dem Bau. Die Geduldigen warten bis die Jungs und Mädchen flügge werden und erst dann beginnt die Verhandlung betr. frei gewordenen Zimmer… (Nähzimmer, Gästezimmer, Bar oder Bahnzimmer).

 

Diese etwas Klischee-behaftete Ausführung mag vielleicht nicht für alle zutreffen. Was aber zutrifft ist die erlebte Faszination, die von Bahnen im Allgemeinen ausgeht. Für die meisten auf der Welt ist das Einsteigen in einen Bahnwaggon eine ganz normale Angelegenheit. Man fährt von A nach B, that’s ist. Doch nicht so beim Bahn-Infizierten: Er schaut sich um, registriert die Lok mit der genauen Typenbezeichnung, beobacht interessiert einige Rangiermanöver und hält Ausschau nach Verwitterungsspuren auf den Waggons… Ja, sie haben richtig gelesen. Denn in einem fortgeschrittenen Modellbahner-Stadium werden die Modell-Fahrzeuge „künstlich“ verwittert und gealtert! Kurz gesagt ist eine Zugreise eines Bahnenthusiasten ein „doppeltes“ Erlebnis.

 

Nun geht es einen Schritt weiter. Man baute bisher eine Anlage nach schweizerischen Vorbild und besucht erstmals im Leben eine Modellbahn-Ausstellung nach amerikansichem Vorbild. Dort liegen Hefte wie beispielsweise der „Modelrailroader“ aus den USA auf. Man blättert darin, bestaunt all die Anlagen und Dioramen. Wenn man dann noch einen Workshop bewohnt, in dem gezeigt wird wie man aus Holz ein Gebäude nach Plan nachbaut, dann hat sich ein zweiter Virus festgesetzt: US-Modellbahnen!

 

Ohne jetzt politisch zu werden (das ist eine andere Geschichte) übt die USA für viele eine Faszination aus. Die herrlichen Landschaften, die Grösse und die vermeintliche Freiheit, die von diesem Land ausgeht. Gerade im Bahnwesen ist alles eine Nummer grösser und imposanter. Das „Glocken-Läutewerk“ der Loks, das Bimmeln der Bahnübergänge, die langen und verstaubten Züge und das Stampfen der schweren Dampfmaschinen. Ob der imposante „Big Boy“ der Union Pacific oder die verwegene Streckenführung einer Schmalspurbahn in den Rock Mountains: Stimmung total!

 

Genau diese Stimmung wollen die Modellbahner mit Herzblut auf Ihren Exponaten im verkleinerten Massstab in Derendingen erzeugen. Und plötzlich wird einem klar, dass es ein Unterschied zwischen einer Spielzeugeisenbahn und einer vorbildgetreuen Modellbahn gibt (Mit der man notabene auch spielen darf).

 

Ein kleiner Nachteil birgt dieses Hobby: Es hat keinen Status wie Golf spielen, Kunstfliegen, Oldtimer restaurieren oder teure Gemälde sammeln. Für die meisten dieser Welt sind wir ein wenig „strange“ und aus dem „Spielstadium“ nicht herausgewachsen. Vielleicht wäre die Welt besser wenn en paar Erdbewohner im Zimmer geblieben wären und an einer Modellbahn gebaut hätten…

 

In diesem Sinne freuen uns wir uns auf sie und auf ein cooles Weekend!

 

Eurer Rolli Chopard und Team!

rolli editorial

 

PS: Ich selbst bin ein langjähriger jedoch kein sehr versierter Modellbahner, möchte auch nicht den Eindruck erwecken, dass ich in der Liga der Aussteller mitspiele. Ich freue mich aber, während der Ausstellung einige Tipps zu ergattern! Es wird für mich ein Eldorado!